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04. Die fünfte Stufe

Autorenbild: MikUP101
MikUP101
15. Mai 2019
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 25. Okt.

I. Das Absolute

Das Absolute IST, aber es existiert nicht. Existieren heißt heraustreten, und das Absolute tritt aus nichts heraus. Es ist weder dies noch das – weder definierbar noch nicht definierbar.

Jede Beschreibung verfehlt es, auch die, es liege jenseits jeder Beschreibung.

Und doch ist es die einzige Wirklichkeit: unveränderlich das, was es ist.

Aber auch das ist eine Verfehlung – wie alles, was hier darüber gesagt wird.


II. Bewusstsein

Bewusstsein ist seiner Natur nach dasselbe wie das Absolute und doch bereits die erste Bestimmung des Unbestimmten – eine Bestimmung, die nichts am Absoluten verändert.

Zu ursprünglich, um Objekt zu sein. Zu bestimmt, um das Absolute zu sein.

Warum Bewusstsein ist, lässt sich nicht sagen, denn die Frage gehört bereits zur Erscheinung: Jedes Warum setzt Zeit, Raum und ein Gegenüber voraus.


Bewusstsein weiß, dass es ist, ohne zu wissen, was es ist: reines Wissen um sein Sein, ohne einen Bezugspunkt, von dem aus unterschieden würde. Ein Wachsein ohne Objekt.

Wissen und Denken sind dabei zu unterscheiden: Das Wissen um sich ist unmittelbar und kein Gegenstand; das Denken über sich erzeugt immer nur eine Vorstellung, ein Bild – alles, was als Inhalt erscheint.


III. Ich bin

Dann folgt – nicht zeitlich, sondern logisch – das Ich-bin: die erste Identifikation des Bewusstseins mit sich selbst. Mit dieser Identifikation entsteht erstmals Selbstbezug.

Er ist der Nullpunkt „Ich bin“, der keinen Ort hat.

Das Bewusstsein vor dem Ich-bin ist an jedem Ort und an keinem, denn Ort ist keine Bestimmung, die auf es zutrifft.


Im Ich-bin ist das Bewusstsein sich selbst Inhalt: Ich bin das.

Das „das“ in „Ich bin das“ ist der erste Bezug von Bewusstsein auf sich selbst.

Bewusstsein bestimmt sich erstmals selbst als etwas.

Doch auch das ist nur eine Vorstellung.

Sucht das Bewusstsein nach sich selbst oder seinem Ursprung, entsteht ein Bild.

Kein Bild ist das Bewusstsein. Kein Bild ist sein Ursprung.

Deshalb können beide nie Gegenstand des Denkens sein; jeder Versuch, sie zu erfassen, ist ein weiteres Bild.


IV. Ich bin so und so

Aus dem Ich-bin folgt unmittelbar, wieder nicht zeitlich, das Ich-bin-so-und-so: jede Bestimmung als Form, Name oder Eigenschaft, etwa männlich, weiblich, Bäcker.

Das ist der Punkt, von dem aus unterschieden wird: dies und das, hier und dort.

Orte entstehen erst mit ihm.

Mit diesem Punkt entfaltet sich die Welt der Erscheinungen.

Erst hier gibt es ein Gegenüber, und damit die Struktur: Träumer, Träumen und Geträumtes.

Oder: Denker, Denken und Gedachtes. Diese Dreiheit selbst ist der Traum.


Der Träumer und das Geträumte sind die zwei Pole; das Träumen ist ihr Bezug aufeinander.

Erscheinen ist dieser Bezug selbst: das Träumen. Ohne Pole kein Erscheinen, ohne Erscheinen keine Pole. Alle drei bedingen sich gegenseitig.

Fehlt eines, erscheint nichts, nicht einmal nichts, denn auch ein erscheinendes Nichts wäre schon ein Geträumtes. Der Träumer ist also notwendig, aber als Pol, nicht als Urheber.


Der Gedanke an einen Träumer oder Denker ist selbst nur ein weiterer Gedanke. 

Beide lassen sich nie als Gegenstand finden und haben keinen Bestand außerhalb dieser Dreiheit, die für die ganze Welt der Erscheinungen gilt.


Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen und Erinnerungen – Erscheinungen im Bewusstsein.

Keines verändert es. Und doch erscheint keines ohne es.

Das Bewusstsein ist ihr ungeteilter Grund.


Man möchte sagen, das Bewusstsein träume.

Doch auch das ist schon Traum: der Traum des Bewusstseins, dass Bewusstsein träumt.


Ein Traum, ein Gedanke ist nicht nichts. Er ist unbezweifelbar da – als Erscheinung.

Er existiert, aber nicht aus sich selbst. Gemessen am IST ist er nichts.


V. Das Fünfte

Vier Stufen sind beschrieben: das Absolute, das Bewusstsein, das Ich-bin, das Ich-bin-so-und-so. Dabei ist eine fünfte Stufe entstanden, die nicht hervorgeht, sondern im Beschreiben entsteht: ein Bezugspunkt, von dem aus beschrieben wurde.

Auch er steht in der Struktur der Dreiheit: Beschreibender, Beschreiben, Beschriebenes.

Auch er ist ein Gedanke.

Die gesamte Stufenfolge ist das Bild einer Stufenfolge, nicht die Sache selbst.

Was bleibt, wenn auch dieses Bild vergeht, lässt sich nicht sagen.


MiKUP101 



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