16. Der weglose Weg

Aktualisiert: 18. Okt.
Die Vorstellung eines „Weges“, der beschritten werden müsste, entspringt der Grundannahme eines Handelnden – einer Schein-Entität, die etwas bewirken, verbessern oder auflösen könnte.
In der radikalen Betrachtung zeigt sich jedoch: Es gibt niemanden, der Einfluss nimmt.
Im Traum des Bewusstseins geschieht alles von selbst.
Das, was als Identität auftaucht – die Person, die Rolle, das vermeintliche Mühen um Erkenntnis –, erscheint ungefragt im zeitlosen Bewusstsein.
Weder existiert eine Entität, die in diese Rolle hineingeschlüpft ist, noch eine Instanz, die sie bewusst steuern oder verlassen könnte – beides ist nichts als Vorstellung.
Die Idee eines unabhängigen Subjekts existiert genau in dem Augenblick, in dem sie erscheint – jedoch als Inhalt der Wahrnehmung, nicht als deren Urheber.
Selbst das Hinterfragen oder Ablegen eines Konzepts ist kein Akt des Willens, sondern ein spontanes Aufscheinen im Bewusstsein.
Es gibt keine „Lebensenergie“, die umgeleitet werden müsste, und kein „bewusstes Träumen“ als Methode, um den Traum zu erweitern oder zu verschönern.
Auch das – lediglich Konzepte.
Der Versuch, die Illusion durch Denken zu durchschauen – sich „freizudenken“ – setzt erneut die Annahme voraus, dass ein Ich existiere, das das Denken steuern und sich selbst befreien könnte.
Das Ich ist bereits ein Gedanke.
Auch Konzepte von Entwicklung, Erneuerung oder dem Erreichen „höherer Ebenen“ sind lediglich Erscheinungen innerhalb der gedanklichen Kulisse.
Das Absolute erweitert oder vervollkommnet sich nicht – es ist bereits vollständig.
Auch Bewusstsein als erste Emanation und alle in ihm aufblitzenden Erscheinungen von Welt, Mensch und Ding sind vollständig.
Was bleibt, wenn der Schein von Ursache, Wirkung und persönlicher Steuerung verklingt, ist kein optimierter Traum und kein Ziel, sondern das zweckfreie So-Sein: ungreifbar, absichtslos und spurlos.
MiKUP101