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18. Selbsterkenntnis

Autorenbild: MikUP101
MikUP101
26. Juni 2019
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Das Selbst ist kein Objekt innerhalb der Wahrnehmung.

Es existiert nicht als greifbares Etwas – es ist die dimensionslose Voraussetzung dafür, dass Existenz überhaupt erscheinen und wahrgenommen werden kann.


In der scheinbaren Urspaltung erscheint mit dem Aufblitzen von Bewusstsein die fundamentale Dualität – die Illusion der Zweiheit, die erste Teilung des an sich unteilbaren Selbst. Bewusstsein ist die unendliche Leinwand, auf der die Welt der Erscheinungen sich stets in polaren Paaren zeigt.


Dieser Leinwand ist der Inhalt des Films gleichgültig; sie ist lediglich die Grundlage für das Erscheinen der Kontraste. Das Selbst wiederum ist der Grund selbst – unberührt davon, ob die Leinwand aufleuchtet oder dunkel bleibt.

Es ist das einzig Wirkliche: ununterbrochen, unveränderlich und zeitlos.


Was immer erkannt, beobachtet oder gewusst wird, ist genau dadurch Objekt der Wahrnehmung – niemals das Selbst. Daher ist das Selbst nicht als Objekt erkennbar, und alles Erkennbare ist niemals das Selbst.


Da Wahrnehmung selbst nie zum Objekt werden kann, ist Selbsterkenntnis weder Methode noch Zustand, den eine Person erreichen oder besitzen könnte; sie ist unvermittelbar, weil ein Besitzer nur als Idee im Film existiert.


Die scheinbare Spaltung in Subjekt und Objekt erzeugt das Gefühl eines unmittelbaren, persönlichen Erlebens – das scheinbar erfahrene Leben innerhalb einer privaten Traumwelt. Ohne diese Spaltung erscheint keine Welt.


Die Frage, was aus einer Welt, einer Person oder einem Leben wird, ist gegenstandslos – jede scheinbare Entwicklung findet nur als Inhalt des Traums statt.

Während im relativen Erleben Zeit, Wertung und Veränderung aufscheinen, bleibt das Selbst von all dem unberührt. Es verändert sich nie – genauso wie die Leinwand nicht nass wird, wenn im Film ein Ozean gezeigt wird. 

Es ist zeitlose Präsenz – unverändert, ungeteilt, unberührbar.

Ihm kann nichts hinzugefügt oder entzogen werden, nichts an ihm verändert, nichts in ihm entwickelt werden.


Gefühle von Demütigung oder Depression über diese fundamentale Bedeutungslosigkeit – ebenso wie der Gedanke an ein betroffenes „Ich“ – sind bloße Erscheinungen im Film ohne eigene Substanz. Sie bewegen den Traum, aber nicht das Selbst.


Auch Empfindungen wie Freude und Leid sind bloße Erscheinungen im Bewusstsein.

Sie durchziehen alle Ebenen – die körperliche, emotionale und mentale Dimension – und bilden im Traum ein einziges Gefüge, das sich wechselseitig beeinflusst und so die lückenlose Illusion einer lebendigen Innenwelt erzeugt.


Ob ein Ereignis als Glück oder als Leiden erscheint, ist kein Urteil eines empfindenden Wesens, sondern ein automatischer Reflex im Traum.

Der angebliche Eigentümer des Körpers ist weder Urheber von Gedanken noch Lenker von Handlungen; er ist selbst nur Inhalt des Traums.

Die Wurzel aller scheinbaren Probleme erweist sich damit als nichtig: Der Vorstellende selbst ist nur eine weitere Vorstellung.


Die Frage, was den Akt der Selbsterkenntnis auslöst, erübrigt sich: Ein solcher Akt hat nie stattgefunden. Selbsterkenntnis ist im strengen Sinne unmöglich, weil jedes Objekt der Erkenntnis bereits Inhalt ist. Die scheinbare Spaltung in Subjekt und Objekt ist kein Vorgang in der Zeit, sondern das zeitlose Erscheinungsbild von „Ich“ und „Welt“.


In Kurzform:

(Selbst-Erkenntnis in 1 Minute)



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