24. Der Regnende

Aktualisiert: 25. Okt.
Wenn es regnet, fragt niemand nach einem Regnenden.
Die Sprache verlangt ein Subjekt und behilft sich mit „Es“, wo keines ist.
Sobald jedoch Wahrnehmung, Sprechen oder Denken auftauchen, schaltet die Grammatik um. Aus „Es denkt” wird „Ich denke”.
Sie zwingt jedem Geschehen einen Urheber auf: Ein Gedanke verlangt einen Denker, ein Wort einen Sprecher, eine Handlung einen Handelnden.
Doch der vermeintliche Denker ist nicht die Ursache des Gedankens.
Er ist selbst nur ein nachträglicher Gedanke, der auftaucht und behauptet, das Geschehen erzeugt zu haben.
Auch der Einwand, die Wolke mache doch den Regen, greift zu kurz: Sie steht nicht hinter dem Geschehen, sie ist der Regen, bevor er fällt.
Das Denken geschieht genauso, ohne einen Denker dahinter.
Kein Urheber, kein Hintergrund.
Nicht einmal ein „Es”.
MiKUP101