25. Ur-teil

Aktualisiert: 25. Okt.
Wenn eine Erscheinung – eine Wahrnehmung, eine Idee oder eine Vorstellung – auftaucht, lässt sich kein Urheber und kein vorgelagerter Plan darin finden.
Es zeigt sich, was sich zeigt.
Das Sein scheint sich dabei in sich selbst zu ur-teilen, wird aber nie zum Objekt.
Was immer wahrgenommen werden kann, ist schon Teilung.
Denken ist keine Handlung eines Subjekts, sondern das Auftauchen dieser ersten Teilung. Ohne sie gäbe es keine Unterschiede, keine Formen, nichts Wahrnehmbares.
Mit dem Ur-Teil tut sich eine Bühne auf: Ein Teil des Ganzen erscheint als Objekt, ein anderer als Subjekt. Auch dieses Subjekt, das vermeintlich Wahrnehmende, ist nur eine Erscheinung auf der Bühne.
So entlarvt sich jede Bewertung, jeder Vorwurf, jedes Urteil, das über ein Außen gefällt wird: Es ist ein Schnitt innerhalb desselben Ganzen.
Jeder Vorwurf an ein Gegenüber ist ein Vor-Wurf gegen das eigene Sein.
Der Richter und der Verurteilte sind aus demselben Holz geschnitzt.
Ohne das Ur-Teilen gäbe es keine Welt. Denken ist Urteilen.
Denken geschieht.
Niemand denkt.
MiKUP101