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27. Das Ende der Sinnsuche

Autorenbild: MikUP101
MikUP101
6. Feb. 2020
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Manchmal, mitten im Getöse des Alltags oder in der Stille einer schlaflosen Nacht, taucht eine Frage auf, die sich nicht mehr abschütteln lässt:


Wozu das Ganze? Warum ich? Warum dieser permanente Aufwand? 


Es ist der Moment, in dem die Selbstverständlichkeit des Daseins ihren ersten Riss bekommt. Die Inszenierung der relativen Existenz wird fragwürdig.

Aus diesem Riss erwacht die Sinnsuche.


Solange das Getriebe läuft, stützt sich das Individuum auf mehr oder weniger sinnstiftende Konstrukte: Ziele, Erfolge, Rollen und den alltäglichen Existenzkampf.


Doch dieses Gebäude kann ins Wanken geraten oder in sich zusammenfallen.

Plötzlich trägt nichts mehr. Das Gefüge aus vermeintlichen Sicherheiten, Zielen und Erstrebenswertem erweist sich als leer.


Wenn die Konstruktion, die als Identität erscheint, porös wird und der Automatismus des Funktionierens ins Stocken gerät, bricht die Bedeutung dessen weg, was bisher als „mein Leben“ verstanden wurde. Zurück bleibt eine spürbare Hohlheit. Das ist kein Defekt.

Eine solche Krise legt lediglich offen, was die ganze Zeit verborgen war.


Anstatt diesen Riss sofort mit neuen Zielen, Konzepten oder Heilsversprechen zu verschließen, um den Verstand zu beschäftigen und von der Leere abzulenken, bleibt die phänomenologische Betrachtung genau hier stehen.


Hier zeigt sich die Physik des Bewusstseins:

Die Form – das Ich-Konstrukt mitsamt seinem gesamten relativen Leben – gerät unter Druck und drängt dorthin zurück, woraus sie aufgetaucht ist.

Im Zusammenbruch der Konzepte vollzieht sich eine radikale Wende.


Das Geschehen richtet sich nicht länger nach außen, sondern wendet sich von selbst auf seinen Grund zurück: als jene Sehnsucht nach Selbsterkenntnis, als unsichtbare Strömung, auf die im Nachhinein alles zurückgeführt werden kann – ein leiser, unaufhaltsamer Sog aus der Tiefe des Seins.


Der Sog zieht von selbst, weil die Form an den Ursprung drängt.

Wie ein Fluss, der unweigerlich zum Ozean zurückfließt, weil das die Natur der Strömung ist.

An dem Punkt, an dem der Kampf innerhalb einer scheinbar eigenständig existierenden Welt bedeutungslos wird, fällt das Wesen auf sich selbst zurück – als jene fundamentale Frage: Was ist das, was hier erfährt? Was bin Ich?


Die Frage „Was bin ich?“ erscheint als der letzte Akt der Form.

Und die Antwort ist das Erlöschen der Frage.

Das ist die eigentliche Wende:

Die Form fragt – und verglüht in ihrer eigenen Frage.

Da ist kein Gegenüber mehr, an dem sich Erkennen abarbeiten könnte.

Wenn die Form als scheinbarer Akteur verweht, bricht die Illusion von Zweiheit zusammen. Was bleibt, ist nicht jemand, der wahrnimmt, sondern Wahrnehmung selbst.


Das Leben ist kein Spiel, das gewonnen werden kann – es geschieht sich selbst.

Nichts kann gewonnen werden, weil alles bereits da ist.

Nichts kann verloren werden, weil in der Absolutheit keine getrennte Substanz existiert.

Für das, was ist, sind Gewinn und Verlust belanglos.

Es spielt mit sich selbst, als es selbst – als Mensch, Stein oder Stuhl.


Das, was als Sinnlosigkeit erscheint, ist schlicht frei von jeglichem Sinn.

Das, was ist, fordert keinen Sinn.


Für die Person kann sich diese Krise als Depression zeigen.

Doch jenseits jeder medizinischen Einordnung offenbart sich darin schlicht: De-Pression – das Entweichen des Drucks. Die künstliche Spannung, die Form aufrechtzuerhalten, fällt ab.

Das Funktionieren kommt zum Erliegen.

Alles zieht sich zurück.


Stillstand bedeutet nicht Erlösung.

Das Funktionieren kann klemmen, die Person weiterstolpern.

Mehr muss daraus nicht folgen. Nichts muss verschwinden. Nichts muss erreicht werden.

Die Krise schuldet niemandem Einsicht.


Es ist kein Zustand, sondern das Abfallen jeglichen Widerstands gegen Unfreiheit, Misserfolg oder vermeintlichen Unsinn – oder auch nicht.


In dieser Unbedingtheit verlieren Sinnsuche und Sinnlosigkeit gleichermaßen ihre Bedeutung – sie werden ununterscheidbar. Beides sind nur zwei Seiten desselben Spiels.

Hier gibt es nichts mehr zu tun.

Wenn sich Suchen und Nichtsuchen erschöpfen, kollabieren die Pole.

Das Erleben findet einfach statt, in einer unberührten Unmittelbarkeit abseits aller konditionierten Strukturen und Konstruktionen.


Es ist kein Zustand, der gemacht werden könnte – sondern das Offenbarwerden dessen, was immer schon war, bevor das Zeitwesen erschien, sich als jemand setzte, zu zählen begann und sich als Geschichte formte.


MiKUP101



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