09. Vorwärts kommen

Aktualisiert: vor 6 Tagen
Das Bewusstsein unterliegt keinem Vorwärtskommen.
Für es gibt es nichts zu erreichen und nichts zu tun.
Es wird durch nichts mehr oder weniger.
Jede Handlung, die innerhalb der Form geschieht, entfaltet sich spontan und ohne eigenständigen Urheber.
Was als persönliche Entscheidung erscheint, entstammt keiner individuellen Freiheit.
Es ist keine Wahl im Prozess, sondern der zeitlose Ausdruck des einen Ganzen.
Es gibt keinen Ablauf, der sich erst entwickeln müsste. Es IST bereits.
Darin liegt die eigentliche Befreiung: Es gibt kein getrenntes Subjekt, das Freiheit im Handeln besäße. Doch dadurch wird niemand befreit.
Und doch hält die Vorstellung an, etwas tun zu müssen – oder zu können.
Die Idee, durch bestimmte Tätigkeiten, Techniken oder Disziplinen eine wesentliche Veränderung herbeizuführen, entspringt dem Blickwinkel der Identifikation.
Doch so verhält es sich nicht.
Keine Übung, keine Disziplin und keine Technik kann das herbeiführen oder erreichen, was in seiner Essenz bereits gegeben ist.
Das Bewusstsein ist bereits vollständig, unbewegt und jenseits aller Bemühung.
Das Erstaunliche an allen Übungen und Methoden ist, dass durch sie nichts Bleibendes entsteht oder erlangt werden kann.
Was immer auf der Ebene der Form erreicht wird, geht mit der Form auch wieder verloren.
Der scheinbare Besitzer löst sich zusammen mit seinem Besitz auf.
Dennoch sind alle Suchbewegungen, das Meditieren oder das Streben nach Veränderung keine Fehler, sondern lediglich Muster im Bewusstsein, ein zeitloser Ausdruck als Teil der Gesamtheit.
Für das Bewusstsein gibt es kein Vorwärtskommen.
Es ist unbewegt, was es ist. Vollkommen und ganz.
Alles, was erscheint, ist ein Teil dieser Gesamtheit.
Was als Form erscheint, ist Bewusstsein in Erscheinung – eine In‑Formation von sich selbst.
Die Wahrnehmung von Zeit, Entwicklung oder Reifung – das scheinbare Abschmelzen gedanklicher Schleier – ist lediglich das Blasswerden der Illusion vor dem, was von jeher unberührt da ist. Und während auf der Bühne der Erscheinungen ständig etwas geschieht, ist dem, was erfährt, noch nie etwas geschehen.
MiKUP101