Kapitel 10 ~ Denken ohne Denker
- MikUP101

- 12. Feb. 2020
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Jan.
Die Illusion des Denkens – Warum niemand denkt
Bei genauem Hinsehen löst sich der Alltagsbegriff von „Denken“ sehr schnell auf.
Was wir „denken“ nennen, ist kein Tun.
Es ist ein Strom von Regungen, der auftaucht – ohne Urheber.
Gedanken kommen und gehen (erscheinen und verschwinden).
Und es kann geschehen, dass gesehen wird: Denken geschieht.
Als Ereignis, nicht als Tätigkeit.
Es gibt keinen Denker – niemanden, der denkt.
Es gibt nur den Gedanken, jemand würde es tun.
Das Leben verläuft re-aktiv:
Ein Gedanke erscheint. Eine Regung entsteht. Eine Reaktion geschieht – automatisch.
Wahl erscheint. Der Wählende erscheint. Beides sind Vorstellungen.
Ereignisse im Bewusstsein.
Denken erscheint im Bewusstsein – Bewusstsein erscheint als Denken.
Kein Gedanke wird gewählt. Kein Gedanke wird verhindert. Kein Gedanke wird erzeugt.
Gedanken sind keine Erzeugnisse.
Sie sind, wie alles Wahrnehmbare, Bewusstsein in Form.
Form wandelt sich, Bewusstsein nicht.
Bewusstsein bevorzugt nichts. Es will nichts und verhindert nichts.
Es kennt kein Gut und kein Schlecht – und keine Kausalität.
Alles kann erscheinen.
Dann zeigt sich:
Kein Mensch kann „nicht denken“, wenn Gedanken auftauchen.
Und kein Mensch kann „einen Gedanken erzeugen“, wenn keiner kommt.
Der Mensch ist weder Autor noch Beobachter der Gedanken.
Er ist selbst Erscheinung im Bewusstsein – eine Erscheinung unter Erscheinungen.
Und Bewusstsein ist der ortlose Ort, in dem alles erscheint.
Wenn dies gesehen wird, entsteht kein Moment von Freiheit.
Es entsteht etwas anderes: eine Ent-zauberung.
Ein nüchternes Erkennen der Struktur des Erscheinens.
Ein klares Sehen dessen, was geschieht.
Und auch dieses Sehen kann nicht gemacht werden.
Es geschieht – oder nicht.
Aber auch das ist nur ein Gedanke.
Gedanken erscheinen – ohne jemanden, der sie macht.
Der „Denker“ – aus dem Nichts auftauchend – ist ein Gedanke.
Hinweis:
Diese Worte sind kein Angebot.
Kein Weg, kein Ziel, keine Lösung – und sie versprechen keinen Mehrwert.
Sie beschreiben nichts, das du tun könntest, und sie geben nichts, woran du dich halten kannst. Was hier gesagt wird, ist keine Meinung.
Es sind Gedanken, die auftauchen und ausgesprochen werden.
Sie müssen nicht stimmen. Sie wollen nicht überzeugen. Sie brauchen keine Verteidigung. Es ist einfach Sprechen – Erscheinung wie jede andere.
Dieser Text kann irritieren, entlasten oder Widerstand auslösen.
Er kann als Angriff auf das eigene Selbstbild wirken – oder als Befreiung davon.
Er ist keine Theorie und kein Glaubenssatz.
Er beschreibt nur, was sich zeigt, wenn Denken phänomenologisch betrachtet wird: als Erscheinen, nicht als Tun.
Die größte Gefahr liegt im Missverständnis, dass hier Verantwortung abgesprochen würde oder dass „niemand denkt“ bedeuten soll, jemand sei machtlos.
Beides ist nicht gemeint.
Der Text beschreibt nicht, wie man leben soll – er beschreibt, wie Leben erscheint.
Wer liest, hört oder sieht, betritt einen Pfad jenseits des Gewohnten – mitten ins Wesen dessen, was ist. Kein Halt. Kein Ziel. Kein Trost. Kein sicherer Weg.
Nur ein Schritt ins Unbekannte, ohne Richtung.
Diese Worte sprechen nicht zu dem, der du zu sein glaubst.
Sie sprechen zu dem, was du bist – jenseits des Glaubens.
Es ist in letzter Konsequenz ein Selbstgespräch.
Denker und Gedanke
Du als (nicht denkbarer) "Denker" selbst bist die Welt, das Universum, mit dir als Person darin, von der Du bisher annahmst, dass Du das (die Person) bist, und mit allen anderen.
Obwohl Du in der absoluten Essenz deines Seins "alles" bist, erfährst Du D-Ich in Form einer Person als getrennten Teil des Ganzen. Das ist das Spiel des Lebens.
E²R selbst, der wirkliche Mensch, ist als (scheinbarer) "Denker" zuerst einmal (nur) Geist, in dem Gedanken auftauchen.
Somit ist der wirkliche Mensch auch der Kreator all dessen, was er aufgrund seines Intellektes, den er zum "Denken benutzt", von Moment zu Moment zur Anschauung bringt
(= sich nach außen denkt - als passiven Akt).
Der Mensch als "Ding an sich", d.h. der Mensch als Geistwesen, stellt das ewig Seiende, heilige Ganze dar, das nicht nur hinter allem in seinem eigenen darstellenden Bewusstsein auftauchenden Äußerlichkeiten steht, sondern als Geist auch die letztendliche Substanz aller selbst wahrgenommenen In-Formationen darstellt.
Daher auch das Wort In-Formation (= nicht-Form), denn Geist "als Ding an sich" ist ein nicht denkbares Nichts, und somit sind auch alle In-Formationen, d.h. alle Formen, die Geist an-nimmt, „als Ding an sich“ geformter Geist und damit auch nur „nichts“.
"ICH Mensch" als „Heiliges Ganzes“ gleiche dem Meer und die ständig in Bewegung gesetzten sichtbaren Wellen meiner geistigen Oberfläche symbolisieren den von mir Geist wahrgenommenen Bewusstseinsinhalt.
Zu jedem Wellenberg gehört ein entsprechendes Wellental, zu jedem kommen gehört ein gehen, zu jedem Plus gehört ein Minus (Gesetz der Polarität).
Absolut gesehen ist "meine" geistige Oberfläche (arithmetisch) imMeer aus-gewogen.
Das ständige Auf- und Abwiegen eines absolut gesehen immer gleich bleibenden Meeres-Spiegels, symbolisiert das sich ständig zu verwandeln scheinende, aber dennoch imMeer gleich bleibende Bewusstsein des heiligen Ganzen, das "ICH Geist" selbst bin.
Das „ständige Wechselspiel“ aller der von "Mir Geist" wahrgenommenen In-Formationen verändert nicht das Geringste am universellen Bewusstsein „als Ding an sich“.
Das Bewusstsein stellt eine Art Leinwand zur Verfügung, auf der ständig wechselnde In-Formationen wie Schatten-Bilder kommen und gehen.
Alle Gedanken die auftauchen, alle Gefühle, Emotionen usw. sind (lediglich) sich "nicht-bewegende Bewegungen" im darstellenden Bereich des Bewusstseins.
Anmerkung:
Stelle dir ein mit Wasser gefülltes Glas vor, das vor dir auf einem Tisch steht.
Würdest du behaupten, dass du das Wasser im Glas bist?
Es mag „dein“ Wasser sein, aber du "bist" nicht das Wasser.
Jetzt denke an deine Wohnung oder dein Haus.
Obwohl es deine Wohnung/dein Haus ist und du darin wohnst, würdest du sicher nicht behaupten, dass du die Wohnung bist.
Jetzt denke an deinen Körper.
Du hast einen Körper, jetzt, wo du an ihn denkst (wer oder was ist es eigentlich, dass dich jetzt an deinen Körper denken lässt?!?), aber bist du dieser Körper?
Denke an deine Hand. Du sagst, das ist meine Hand, aber bist du die Hand?
Sie ist ein Teil von dir, aber "du" bist nicht die Hand.
Jetzt denke an "dich selbst".
An was "denkst" du (was fällt dir ein / was taucht in dir auf), wenn du an dich selber denkst?
An dein Gehirn? Bist du dein Gehirn oder irgendwo innen drin im Gehirn?
Muss nicht erst einmal ein „Ich“ (ein Denker?) da sein, dass an ein Gehirn "denken" kann, von dem es sich dann "denkt", da bin „ich“ (oder der Denker) drin?
Wer oder was ist dieses „Ich“, dass von sich behauptet, „das bin ich“?
Denke wieder an das Glas mit Wasser und wie du das Wasser jetzt trinkst.
Das Wasser ist Teil des Körpers geworden, aber... bist du nun das Wasser?
Du bist ebenso wenig das Wasser, wie du der Körper bist, den "du dir denkst" und von dem du behauptest, es sei deiner.
Wessen Körper? Deiner? Wen meinst du denn?
Für gewöhnlich behauptet/glaubt "der Mensch", dass er (s-)ein Körper sei.
Aufgrund der Identifikation mit dem Körper verwechselt er sich mit dem Körper.
Aber wer ist der "Denker", der sich den Menschen "denkt", der von sich behauptet, dass er der Körper sei?
Das bist allein "Du". Was? Du "denkst", dein Gehirn "denkt" das?
Ist es nicht eher so, dass "Du" dir ein Gehirn "denkst", das Du zum "denken" benutzen kannst? Alles, was Du dir "denken" kannst, ist nicht das, was "denkt".
Du bist kein Gedanke von dir selbst, verwechsel das nicht.
Wärst du ein Gedanke, dann würdest "du" nur so lange "existieren", solange dieser Gedanke "gedacht wird.
Aber das, worin alle Gedanken auftauchen, auch der Gedanke an einen Denker, verschwindet ja nicht, wenn der Gedanke, an sich selbst zu denken, verschwindet.
Was ist das für eine Erklärung, die erklärt, dass sich im Laufe des Heranwachsens ein Körper mit Gehirn ausbildet, und dass das Gehirn aufgrund seiner Konstruktion
(wer ist eigentlich der Konstrukteur?) irgendwann dann einmal ein Bewusstsein entwickelt (was ist eigentlich Bewusstsein?), dass sich dann selbst erkennt?
Diese und ähnliche Erklärungen, die eine Entwicklung innerhalb von Raum und Zeit zu Rate ziehen, mögen logisch erscheinen, sie sind aber nicht besonders geistreich.
Der Mensch als "Körper-Verstand-Einheit" ist eine Art (ausgedachtes) "logisches System" und den Bereich des "Denkens" bestimmt sein ihm zur Verfügung stehender Intellekt.
Wenn die Identität mit dem Körper-Verstand verstanden und zurückgewiesen wird und sich die Identität mit dem universellen Bewusstsein einstellt, erst dann wird das Gesagte eine Bedeutung haben.
Der persönliche Albtraum beginnt damit, dass sich ein "undenkbarer Geist" mit einem Gedanken von sich selbst verwechselt. Was "Wir" (= Ich bin, Singular) sind, ist ohne Grenzen, den Sinnen nicht zugänglich. Indem "WIR" uns auf den Körper begrenzen verschließen "WIR" uns gegenüber dem unbegrenzten Potential, das "WIR" wirklich sind.
Sollte dir das Gesagte "irgendwann" einmal einleuchten, kann man dies Erleuchtung oder die Erkenntnis von "dem was ist" nennen. Erkenntnis für wen? Für niemanden.
Wer hätte das gedacht.
A - Ω
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