67 ~ Der Traum des Lebens

Aktualisiert: 21. Sept.
The Dream of Life (nach Alan Watts) – und was darüber hinausweist.
Eine Nacherzählung und Betrachtung des bekannten Gedankenexperiments von Alan Watts – gefolgt von der Frage nach dem, was vor jedem Bild liegt.
Jede Wahrnehmung, jede Erfahrung in der Welt ist polar: Licht und Dunkel, Leben und Tod, Selbst und Andere. Alles erscheint in Gegensätzen, die einander bedingen. Wo immer eine Welt erscheint, muss auch das Element erscheinen, das sie erfährt.
Aus dieser Perspektive wird das eigene Dasein nicht als Zufall verstanden, sondern als grundlegende, unvermeidliche Präsenz. Das Leben ist nicht etwas, in das man hineingeraten ist, sondern Ausdruck eines tieferen Grundes, der sich selbst erfährt.
Die zentrale Idee dieses Gleichnisses lautet: Könntest du jede Nacht frei jeden beliebigen Traum träumen – du würdest zunächst alle Wünsche erfüllen: Abenteuer, Vergnügen, Kontrolle. Doch nach unzähligen erfüllten Träumen würdest du dich nach Überraschung sehnen, nach Unvorhersehbarkeit, nach einem Traum, dessen Verlauf du nicht kontrollierst.
Und irgendwann würdest du genau den Traum wählen, den du jetzt gerade erlebst: ein Leben, das sich vollkommen real anfühlt, voller Unsicherheiten, Herausforderungen und scheinbarer Begrenzungen. Ein Leben, in dem man sich nicht als göttlich, sondern als ohnmächtig erlebt.
Die Essenz der Erzählung:
Das, was du als „mein Leben“ erfährst, ist ein Traum, den du — im tiefsten Sinn — selbst gewählt hast. Nicht als Gott, der alles weiß, sondern als Gott, der spielt, nicht Gott zu sein.
In diesem Verständnis ist jedes Wesen Ausdruck derselben letzten Wirklichkeit: des absoluten Selbst, das sich in unzähligen Formen verbirgt und wiederfindet.
„Diese Erzählung ist ein starkes Gleichnis.
Doch am Ende bleibt auch das 'Träumende' nur ein Begriff – ein Versuch, das Unbegreifliche in ein Bild zu fassen.
Was bleibt, wenn auch dieser Traum-Gedanke verweht?
Wenn die letzte Vorstellung von was auch immer fällt – selbst die des Vorstellenden?"
Alan Watts - Der Traum des Lebens:
Hinweis:
Der Inhalt des verlinkten Videos stammt von Alan Watts; die Rechte liegen bei der Alan Watts Organization bzw. dem jeweiligen YouTube‑Kanal.
Der obige Text ist keine Übersetzung, sondern eine eigene Zusammenfassung und Betrachtung des im Video gesprochenen Inhalts.
Alan Watts hat mit seinen Gleichnissen Türen weit geöffnet.
Doch ein Bild, so stimmig es auch ist, bleibt immer nur eine gedankliche Form.
Was bleibt, wenn die Aufmerksamkeit sich von der Form löst und das Bild von selbst verblasst?
Die hier versammelten Texte und Impulse nutzen solche Gleichnisse nicht als neue Lehrsätze, Dogmen oder mentale Ruhekissen. Sie dienen der schlichten Freilegung:
Ein Gedanke wird aufgenommen und bis an seine äußerste Grenze geführt – "dorthin", wo jedes Konzept schließlich von selbst verklingt.
Sobald auch der Letzte, der etwas beobachtet, begreift oder feststellt, entfällt, bleibt nicht einmal mehr der Begriff „Nichts“. Es ist die absolute Entleerung jedes Konzepts – worin selbst die Idee des „Nichts“ als letzte gedankliche Zuflucht aufgelöst wird.
MiKUP101